Verständnis oder Irrtum – Wie werden die neuen Technologien angenommen?

Das Unbekannte

Bis sich eine vielversprechende Idee als innovatives Produkt am Markt etabliert, gehen nicht selten soziale Ächtungen und physische Verhinderungen oder sogar direkte Angriffe voraus [1, 2]. In der Tat zeigt die Vergangenheit, dass einem großen Erfolg durchaus auch einmal ein noch größerer Irrtum vorausging.

Irren ist menschlich – 10 Beispiele

1777 – „Jeder benutzt Kaffee; das muss verhindert werden. Seine Majestät ist mit Bier aufgewachsen, ebenso wie seine Vorfahren und Offiziere.“ (Frederik II, König von Preußen) [3]: In Europa veränderte die Einführung des Kaffees das komplexe soziale Gefüge, dass durch frühere Getränke wie Bier zusammengehalten wurde, riss die Wirtschaft auseinander und diente als Lieferant für neue Routinen und neue Geschäftspraktiken [4]. Heute ist Kaffee das beliebteste Getränk der Welt, von dem täglich rund zwei Milliarden Tassen getrunken werden [5].

1878 – „Die Amerikaner brauchen vielleicht das Telefon, wir aber nicht. Wir haben sehr viele Eilboten.“ (Sir William Henry Preece, Chefingenieur der britischen Post) [6]: Letztlich wurde das Telefon zu einer der wichtigsten Erfindungen aller Zeiten, die einen effizienteren Handel und soziale Interaktion über große Entfernungen ermöglicht und einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft hat [7].

1886 – „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ (Kaiser Wilhelm II; letzter Deutscher Kaiser) [8]. 1901 – „Die weltweite Nachfrage an Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten, alleine schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“ (Gottlieb Daimler, Entwickler des ersten vierrädrige Kraftfahrzeuges mit Verbrennungsmotor) [9]: Obwohl tausende von Jahren zwischen der Erfindung des Rades und dem ersten selbstfahrenden Fahrzeug lagen [9], revolutionierte das Automobil den Transport von Gütern und Menschen sowie die persönliche Mobilität in nur wenigen Jahren wesentlich. Mittlerweile sind etwa 1,3 Milliarden Automobile weltweit im Bestand, Tendenz immer noch steigend. Darüber hinaus war die Herstellung der Automobile einer der ersten Treiber in Hinblick auf das Arbeiten am Fließband [10].

1896 – „Der Betonbau habe keine große Zukunft.“ (Breymanns Allgemeiner Baukonstrutionslehre von 1986) [11]: Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts stellt der Betonbau eine besondere Relevanz für das Bauwesen dar, was letztlich auch die Entwicklung des rechtlichen Rahmens für den Betonbau in Europa voranbrachte [11]. Seitdem ist weltweit der meistverwendete Baustoff Beton, wovon ein großer Teil den Stahlbetonbau ausmacht [12].

1927 – „Wer zum Teufel will denn Schauspieler sprechen hören?“ (Harry Morris Warner, Chef von Warner Brothers) [13]: Tatsächlich sind visuelle Medien zu einem der wichtigsten Träger historischer Botschaften in unserer Kultur geworden [14]. Gegenwärtig verpackt die Unterhaltungsindustrie Erlebnisse, indem sie Zugänge zu simulierten Welten und virtuellen Realitäten bietet [15].

1943 – „Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ (Thomas Watson, Chef von IBM) [16]: Computer sind heute in nahezu allen Bereichen des Lebens allgegenwärtig [17], indem sie in erster Linie Daten und Informationen für einfache bis hochkomplexe Berechnungen, Simulationen, Datenbanken, Steuerungen von technischen Geräten, Animationen und Spiele speichern und verarbeiten.

1946 – „Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren.“ (Darryl F. Zanuck, Chef von 20th Century Fox) [18]: Als Kommunikations- und Unterhaltungssystem fungiert das Fernsehen bis heute als sozialer Kontext, der sinnliche Gemeinschaft und soziale Zusammenkunft ermöglicht [19].

1962 – „Sie haben einen unmöglichen Sound. Mit Gitarren besetzte Gruppen haben absolut keine Zukunft.“ (Schallplattenfirma DECCA Records gegenüber dem Manager der Beatles) [20]: Die Beatles sind die Musikgruppe mit den meistverkauften Tonträgern aller Zeiten. Die Musik prägte viele Generationen an Musikern und deren Stil, wodurch ebenfalls die Verkaufszahlen für Gitarren die der anderen Instrumente überflügelte [21].

2020 – „Faserverbundwerkstoffe: Zukunftsmaterial mit offener Entsorgung.“ (Umweltbundesamt) [22]: In den 2010er wurden die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, die Carbonbetonbauweise schrittweise im Markt zu etablieren. Parallel dazu entstanden entlang des Stoffkreislaufes von Faserverbundwerkstoffen alle technischen und prozessbezogenen Voraussetzungen, in der Region „Elbtal Sachsen“ eine zirkuläre Wertschöpfung für faserhaltige Sekundärrohstoffe aufbauen zu können.

Was lernen wir daraus?

Die Geschichte zeigt, dass neue Ansätze und vielversprechende Entwicklungen nicht immer von Beginn an das maximale Vertrauen erhalten. Zur Erhöhung der Akzeptanz beim Einsatz recycelter Fasern für Faserverbundwerkstoffe hat sich daher das Bündnis zum Projekt „WIRreFa | WIR! recyceln Fasern“ zur Aufgabe gemacht, mit Unterstützung der Politik und Verwaltung einen wettbewerbsverträglichen Rahmen zu gestalten, gemeinsam mit der Wirtschaft und Wissenschaft sich den technologischen Entwicklungen anzunehmen sowie mit Hilfe der Gesellschaft eine marktbedeutende und gleichzeitig umweltverträgliche Ausrichtung zur gestalten.

Stand 2024-05-06

Quellenverzeichnis
[1] R. Mac Ginty, Conflict disruption: reassessing the peace and conflict system, Journal of Intervention and State building, Volume 16, Issue 1, pp. 40–58, 2022, DOI: 10.1080/17502977.2021.1889167.
[2] C. Juma, Why do people resist new technologies? History might provide the answer, World Economic Forum, 2016, URL: https://www.weforum.org/agenda/2016/07/why-do-people-resist-new-technologies-history-has-answer.
[3] J. Brooks, When Frederick The Great went to war on coffee, Brookston Beer Bulletin, 2019, URL: https://brookstonbeerbulletin.com/when-frederick-the-great-went-to-war-on-coffee.
[4] C. Juma, Innovation and its enemies: why people resist new technologies, First edition, 2016.
[5] British Coffee Association, Coffee consumption, URL: https://britishcoffeeassociation.org/coffee-consumption.
[6] R. Cellan-Jones, The future of technology… who knows? BBC News, 2012, URL: https://www.bbc.com/news/technology-17510101.
[7] V. Forgeard, How the telephone changed the world, Brilliantio, 2022, URL: https://brilliantio.com/how-did-the-telephone-change-the-world.
[8] T. Chesshyre, Stuttgart’s Mercedes Benz museum, The Times, 2009, URL: https://www.thetimes.co.uk/article/stuttgarts-mercedes-benz-museum-pj5vvf0ff8v.
[9] E. Eckermann, World history of the automobile, Warrendale, Pa: Society of Automotive Engineers, 2001.
[10] N.C. Government & Heritage Library, The automobile: social game changer, NCPedia, 2020, URL: https://www.ncpedia.org/automobile-social-game-changer-k-8.
[11] J. Rehm, Eisenbeton im Hochbau bis 1918: Dokumentation und Analyse realisierter Bauwerke im Raum München, First edition, 2019, DOI: 10.14459/2019md1468996.
[12] J. K. Wight, Reinforced concrete: mechanics and design, Seventh edition, Global edition, 2016.
[13] D. Root, Who the hell wants to hear actors talk? Soo Today, 2008, URL: https://www.sootoday.com/columns/the-root-of-it-all/who-the-hell-wants-to-hear-actors-talk-151099.
[14] R. A. Rosenstone, Hrsg., Revisioning history: film and the construction of a new past, in Princeton studies in culture/power/history, 1995.
[15] S. Sayre und C. King, Entertainment and society: influences, impacts, and innovations, Second edition, 2010.
[16] N. Carr, How many computers does the world need? Fewer than you think, 2008, URL: https://www.theguardian.com/technology/2008/feb/21/computing.supercomputers.
[17] P. J. Bentley, Digitized: the science of computers and how it shapes our world, First edition, 2012.
[18] J. Ritz, Zukunft, in Mobilitätswende – autonome Autos erobern unsere Straßen, 2018, pp. 21–26, DOI: 10.1007/978-3-658-20953-7_4.
[19] P. C. Adams, Television as gathering place, Annals of the Association of American Geographers, Volume 82, Issue 1, pp. 117–135, 1992, DOI: 10.1111/j.1467-8306.1992.tb01901.x.
[20] H. Schliesselberger, Und manchmal kommt es anders…, Salzburger Nachrichten, 2021, URL: https://www.sn.at/kolumne/schli/und-manchmal-kommt-es-anders-111961861.
[21] R. McSwain, The power of the electric guitar, Popular Music and Society, Volume 19, Issue 4, pp. 21–40, 1995, DOI: 10.1080/03007769508591605.
[22] Umweltbundesamt, Faserverbundwerkstoffe, Zukunftsmaterial mit offener Entsorgung, 2020, URL: https://www.umweltbundesamt.de/faserverbundwerkstoffe-zukunftsmaterial-offener#faserverbundwerkstoffe-und-ihr-potenzial-fur-klima-und-ressourcenschonung.

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