Was gerade entsteht – Pilotprojekte in Deutschland machen Faserverbundwerkstoffe zirkulär

Pilotprojekte sind die Brücke zwischen Idee und industrieller Anwendung. Hier zeigt sich, ob Verfahren robust genug sind, ob Qualitäten für das Material konstant erreicht werden und ob damit sich Angebot und Nachfrage entlang der Wertschöpfungskette realistisch zusammenbringen. Im Recycling von Fasern reicht die Spannweite aktueller Forschungs- und Entwicklungsprojekte von neuen Pyrolyse-Ansätzen bis hin zu Strategien, die Bauteile länger nutzbar halten und Recycling erst später erforderlich machen. Die folgenden Beispiele geben einen Einblick, wo dieser Transfer außerhalb vom Projekt WIRreFa ebenfalls vorangetrieben wird.

Laser-gestütztes „Peeling“-Recycling für endlose Carbonfasern (Fraunhofer EMI)

Am Fraunhofer EMI wurde ein Verfahren vorgestellt, bei dem Carbonfasern aus duroplastischen Verbundwerkstoffen lokal per Hochleistungslaser von der Matrix befreit und gleichzeitig das Faserrovings abgewickelt wird. Das Ziel besteht darin, die Qualität der Fasern im Vergleich zum üblichen Zerkleinern deutlich besser zu erhalten. Der Ansatz zielt insbesondere auf gewickelte Strukturen, wie beispielsweise Wasserstoff-Druckbehälter, ab und adressiert damit einen wachsenden Abfallstrom der Energiewende [1].

RE_SORT: Pyrolyse dickwandiger Rotorblatt-Verbundwerkstoffe (Fraunhofer WKI)

Für Rotorblätter stellen dickwandige Laminatbereiche eine besondere Herausforderung dar. Genau hier setzt RE_SORT an: Es werden pyrolytische Prozesswege untersucht, um Fasern sowie Öl- und Gasfraktionen zurückzugewinnen und anschließend wieder nutzbar zu machen. Dabei ist die Balance zwischen Energieeintrag, Prozessstabilität und der Qualität der zurückgewonnenen Fasern entscheidend, damit aus „Entsorgung“ wieder Rohstoff wird [2, 3, 4].

BladeReUse: Rotorblätter als Bauteilressource für Infrastruktur (Karlsruher Institut für Technologie)

Nicht jedes Verbundbauteil muss sofort recycelt werden. BladeReUse entwickelt Prozesse, um Rotorblattsegmente ressourcenschonend weiterzuverwenden, beispielsweise für Anwendungen im Infrastrukturbereich wie Lärmschutz, Verbau oder Küsten- und Gewässerschutz. Dafür werden Demontage-, Umform- und Qualifizierungsfragen sowie Zulassungsgrundlagen untersucht. Der Ansatz verschiebt den Fokus von „Fasern zurückgewinnen“ zu „Bauteilwert erhalten“ und kann dadurch Zeit und Emissionen sparen, bevor am Ende doch das Recycling greift [5, 6].

ReusaBlade: Rotorblätter für eine zweite Nutzung (Fraunhofer IWES)

Im Projekt ReusaBlade steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich ausgediente Rotorblätter nicht nur recyceln, sondern auch als Bauteile bzw. Materialquelle für eine weitere Nutzung erschließen lassen. Dazu werden Kriterien und Prozesse entwickelt, die eine sichere Bewertung, Aufbereitung und Weiterverwendung ermöglichen. Dieser Ansatz verschiebt das End-of-Life nach hinten und setzt Recyclingpfade gezielter dort ein, wo sie tatsächlich benötigt werden [4, 7].

EoLO-HUBs: Prozesskette Rotorblatt-End-of-Life bis Demonstration (Fraunhofer IWES)

Im europäischen Verbundprojekt EoLO-HUBs wird die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt: von der Demontage und Vorbehandlung über die Rückgewinnung der Fasern (u. a. Pyrolyse/Solvolyse) bis hin zur Aufbereitung der Fasern für neue Anwendungen. Ziel ist es, die Abläufe in Demonstrationsumgebungen zu präsentieren, inklusive industrietauglicher Schritte, die heute oft noch an Logistik, Energiebedarf oder fehlenden Qualitätsstandards scheitern [4, 8].

Stand 2026-01-12

Quellenverzeichnis
[1] Fraunhofer-Gesellschaft (2025). Innovative Recycling Method for Carbon Fiber. https://www.fraunhofer.de/en/press/research-news/2025/april-2025/innovative-recycling-method-for-carbon-fiber.html
[2] Fraunhofer IWES. RE SORT: Pyrolysis of thick-walled fiber composites as a key innovation in the recycling process for wind turbine rotor blades. https://www.iwes.fraunhofer.de/en/research-projects/current-projects/re-sort.html
[3] Fraunhofer WKI. RE_SORT: Sustainable and economic recycling of wind turbine rotor blades using pyrolysis of fiber composites. https://www.wki.fraunhofer.de/en/research-projects/2023/re-sort-wind-turbine-recycling-using-pyrolysis-of-fiber-composites.html
[4] Ludwig, N. (2025). Complex but dissolvable? Research projects on recycling rotor blades at Fraunhofer IWES. https://websites.fraunhofer.de/iwes-blog/en/complex-but-dissolvable-research-projects-on-recycling-rotor-blades-at-fraunhofer-iwes/niels-ludwig
[5] baunetzwerk.biz. (2025). Neue Wege beim GFK-Recycling. https://www.baunetzwerk.biz/neue-wege-beim-gfk-recycling
[6] KIT Stahl- und Leichtbau. Entwicklung einer Methode zur ressourceneinsparenden und CO2-reduzierenden Weiterverwendung von Rotorblättern im Infrastrukturbereich (BladeReUse). https://stahl.vaka.kit.edu/forschung_2004.php
[7] Fraunhofer IWES. ReusaBlade: Recyclable materials for rotor blades and their recycling. https://www.iwes.fraunhofer.de/en/research-projects/current-projects/reusablade.html
[8] Fraunhofer IWES. EoLO-HUBs: Wind turbine blades End of Life through Open HUBs for circular materials insustainable business models. https://www.iwes.fraunhofer.de/en/research-projects/current-projects/eolo-hubs.html

Zur Partnerschaft

Seien Sie Teil des Bündnisses und stellen Sie sich mit uns gemeinsam den Herausforderungen in Hinblick auf den nicht mehr zu vermeidenden Umgang mit Faserverbundwerkstoffen. Lassen Sie uns gemeinsam die Region „Elbtal Sachsen“ in eine wirtschaftlich widerstandsfähige Zukunft führen.